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Im Schatten von Lydia

  • kathrinreist
  • 16. Mai 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Mai 2024

Selbst der Verkehrspark für die Kinder ist hier nach Lydia benannt, ja das ganze langgezogene, etwas verblichene Dorf heisst heute Lydia. Lydia im mazedonischen Griechenland ist der Ort, von dem aus ganz Europa christlich wurde – so das Bewusstsein hier.

Die achteckige Taufkirche ist ein einziger Bilderreigen von Taufen, wie ich ihn noch nie gesehen habe. In der Kuppel in der Raummitte: die Taufe Jesu. Darum herum sämtliche Taufen, von denen die Apostelgeschichte berichtet. Darunter: das Taufbecken. Jede neue Taufe reiht sich ein in diese lange Reihe von Taufen. Und Lydia war nach der Apostelgeschichte die Erste auf europäischem Boden, die sich taufen liess.



Bereits im quicklebendigen Städtchen Kavala, im einstigen Neapolis, 20 km entfernt am Meer gelegen, begegnete uns Paulus. Ein grosses Mosaik an der Aussenwand der St. Nikolaoskirche zeigt seine Vision in Troas und seinen Schritt auf den europäischen Kontinent.

 


In der Nacht nun hatte Paulus eine Vision: Ein Mann aus Makedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns! Kaum hatte er die Vision gehabt, setzten wir alles daran, nach Makedonien hinüberzugelangen, in der Überzeugung, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort das Evangelium zu verkündigen.

Wir legten von Troas ab und gelangten auf dem kürzesten Weg nach Samothrake; am folgenden Tag erreichten wir Neapolis, und von dort kamen wir nach Philippi, einer Stadt im ersten Bezirk von Makedonien, einer römischen Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.

Am Sabbat gingen wir vor das Stadttor hinaus an einen Fluss; wir nahmen an, dass man sich dort zum Gebet treffe. Wir setzten uns nieder und sprachen mit den Frauen, die sich eingefunden hatten. Auch eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira, eine Gottesfürchtige, hörte zu; ihr tat der Herr das Herz auf, und sie liess sich auf die Worte des Paulus ein. Nachdem sie sich samt ihrem Haus hatte taufen lassen, bat sie: Wenn ihr überzeugt seid, dass ich an den Herrn glaube, so kommt zu mir in mein Haus und bleibt da; und sie bestand darauf.

Apostelgeschichte 16,9–15, Zürcher Bibel


Im Garten der Taufkirche stehen ein paar römische Grabsteine. Soldaten im Ruhestand, die hier als römische Kolonie angesiedelt und schliesslich hier begraben wurden? Lydia liegt ausserhalb der antiken Stadt Philippi. Da also soll Paulus Lydia begegnet sein. Als Gottesfürchtige zählt sie zu den Helleninnen, die der jüdischen Gemeinde nahestehen. Die vornehme Purpurhändlerin aus Thyatira stammt aus dem Lykostal und ist eine weitere Fachfrau des Färbergewerbes! Die beiden sprachen dieselbe Sprache, kannten dieselbe Gegend. HALT! Das ist gar nicht wahr. Paulus hielt sich erst später in Ephesus und dem umliegenden Städten auf (Apg 19)! Vielleicht hat er also umgekehrt später Bekannte von Lydia in Kleinasien angetroffen. Entscheidend im Moment ist: Die Botschaft von der Auferstehung Christi trifft ihr Herz… Durch das Taufbecken im Schatten unter den Bäumen sprudelt das Wasser so reichlich, wie wir es auf unserer Reise bisher kaum je angetroffen haben.



 
 
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