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Begegnung in Galatien

  • kathrinreist
  • 15. Apr. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Viele Stunden verbringen wir in Museen und auf Ausgrabungsstätten mit der Frage: Was kann ich hier lernen über die Zeit, in der Paulus lebte? Wie war das Leben in den Städten und Landschaften, durch die er zog? Wer lebte hier? Und immer wieder gibt es Glücksmomente dann, wenn wir gemeinsam einen Zipfel einer Lebensgeschichte entschlüsseln können.


In Ankara, im Garten des Museums der anatolischen Kulturen, kommen wir an einem ca. 1 m hohen Grabstein vorbei. Zeitangabe: 1.-3. Jh. n. Chr. Ein freundliches Paar ist da in Stein gehauen. Es sind Aphphia und Memnon. Mit seiner Kleidung sieht Memnon aus wie ein römischer Bürger. Er muss vor ihr verstorben sein, denn darunter steht:



ΑΦΦΙΑ ΑΝΦΙΟΝΟC ΜΕΜΝΟΝΙ 

ΦΙΛΗΜΟΝΟC ΤΩ ΑΝΔΡΙ ΜΝΗΜΗC ΧΑΡΙΝ

 

Aphphia, Tochter des Anphion, ihrem Mann Memnon, Sohn des Philemon, zum Gedenken


Darunter ist in Stein gehauen, was zu ihrem Leben gehörte. Ich erkenne Tongefässe (könnte darunter eine Töpferscheibe sein?), einen Spiegel, einen Webstuhl und Spulen, eine Schriftrolle, ein Weberschiffchen oder eher ein Schreibset (?), sowie Zimmermanns(?)-Werkzeug. Ein wohlhabender Handwerkshaushalt? Auf jeden Fall haben Aphphia und Memnon so gut gearbeitet und gewirtschaftet, dass sie sich einen solchen Grabstein leisten konnten.


Aphphia, Memnon, Philemon – es sind Namen, die in ihrer Zeit offensichtlich verbreitet waren, denn im Philemonbrief richtet sich Paulus an Philemon und seine Frau Apphia. Diese wohnten allerdings nicht hier in der Provinz Galatien, sondern in Kolossae, in der Provinz Asia, wo wir später vorbeikommen…

 
 
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