Abschied in Milet
- kathrinreist
- 3. Mai 2024
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Bevor wir die Türkei verlassen, fahren wir nach Milet. Zwei Stunden südlich von Izmir, liegt die Stadt noch etwas weiter entfernt als Ephesus. Im 6. Jh. v. Chr. Geburtsstadt der Philosophie, die Stadt von Thales, Anaximander und Anaximenes, ist Milet auch der Ort, wo sich Paulus 56 n. Chr. von seinen Freundinnen in Kleinasien verabschiedet hat. Die antike Stadt lag einst am Meer, heute gibt es da nur noch verlassene Ruinen und der grosse Mäander, der Fluss, der sich durch Westanatolien windet, hat das Delta aufgefüllt. Heute liegt die Küste rund 10 km von Milet entfernt. Wir setzen uns auch hier ins Theater, schauen in die Weite, dahin, wo einst der Hafen lag. Wir lassen unsere Erlebnisse der vergangenen Tage an uns vorbeiziehen und lesen von seinem Abschied. Hier möchte ich den Evangelisten Lukas selbst sprechen lassen:
Wir aber gingen voraus auf das Schiff und fuhren [von Troas] nach Assos, wo wir Paulus an Bord nehmen sollten; so hatte er es nämlich angeordnet, da er selbst zu Fuss gehen wollte. Als er mit uns in Assos zusammentraf, nahmen wir ihn an Bord und fuhren nach Mitylene. Von dort gelangten wir am nächsten Tag auf die Höhe von Chios, tags darauf legten wir in Samos an, und noch einen Tag später kamen wir nach Milet. Paulus hatte sich entschlossen, an Ephesus vorbeizufahren, um in der Asia keine Zeit zu verlieren; er war in Eile, weil er, wenn irgend möglich, an Pfingsten in Jerusalem sein wollte.
Von Milet aus schickte er nach Ephesus und liess die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen. Als sie bei ihm eintrafen, sagte er zu ihnen:
Ihr wisst, wie ich mich bei euch verhalten habe die ganze Zeit, vom ersten Tag an, da ich die Provinz Asia betreten habe: Ich habe dem Herrn gedient in aller Demut, unter Tränen und in den Prüfungen, die mir durch die Anschläge von Seiten der Juden widerfahren sind; ihr wisst, dass ich euch nichts vorenthalten habe von dem, was heilsam ist, vielmehr euch alles verkündigt und gelehrt habe, öffentlich und von Haus zu Haus. Vor Juden und Griechen habe ich Zeugnis abgelegt von der Umkehr zu Gott und vom Glauben an Jesus, unseren Herrn.
Seht, nun reise ich als ein im Geist Gebundener nach Jerusalem, ohne zu wissen, was mir dort widerfahren wird; nur dass der heilige Geist mir in jeder Stadt bezeugt, dass Fesseln und Drangsale auf mich warten. Doch mein Leben ist mir nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollenden und bis zuletzt den Dienst tun kann, den ich vom Herrn Jesus empfangen habe: Zeugnis abzulegen für das Evangelium von der Gnade Gottes.
Und nun seht, ich weiss, dass ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, zu denen ich gekommen bin, um euch das Reich zu verkündigen. Daher will ich es euch am heutigen Tag gesagt haben, dass ich an niemandes Blut Schuld trage; ich habe es nämlich nicht versäumt, euch den ganzen Ratschluss Gottes mitzuteilen.
Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der heilige Geist als fürsorgliche Hirten eingesetzt hat, zu weiden die Kirche Gottes, die er sich erworben hat durch sein eigenes Blut. Ich weiss, dass nach meinem Weggang reissende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen werden. Und aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die in ihren Reden alles verdrehen, um die Jünger hinter sich zu scharen. Darum: Seid wachsam und erinnert euch stets daran, dass ich drei Jahre lang, Tag und Nacht, nicht aufgehört habe, einen jeden von euch unter Tränen zu ermahnen.
Und nun vertraue ich euch Gott an und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe auszuteilen an alle, die geheiligt worden sind. Silber oder Gold oder Kleidung habe ich von niemandem begehrt. Ihr wisst selbst, dass ich mit diesen meinen Händen für meinen Unterhalt und den meiner Begleiter aufgekommen bin. In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich mit solcher Arbeit der Schwachen annehmen und dabei der Worte des Herrn Jesus eingedenk sein soll. Er hat ja selbst gesagt: Geben ist seliger als nehmen.
Nachdem er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Sie aber begannen alle, laut zu weinen, fielen dem Paulus um den Hals und küssten ihn. Am meisten schmerzte sie, dass er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Dann begleiteten sie ihn zum Schiff.
Als es so weit war, dass wir uns von ihnen trennten und in See stachen, fuhren wir auf geradem Kurs nach Kos, tags darauf nach Rhodos und von dort nach Patara; und da wir gerade ein Schiff fanden, das nach Phönizien hinüberfuhr, gingen wir an Bord und stachen in See.
Apostelgeschichte 20,13 – 21,2, Zürcher Bibel



